Liebe Literaturfreundinnen und Literaturfreunde,
vor den Literaturtagen hatte ich euch erzählt, dass die Bücher in meinem Kopf angefangen hatten, miteinander zu sprechen. Nun denke ich beim Blick auf diese Bücher auch an die Stimmen ihrer Autorinnen und Autoren und an unsere Begegnungen in Ahrenshoop. Noch immer bin ich ganz beseelt davon.
Vom 1. bis 4. Oktober durfte ich bei den Literaturtagen Ahrenshoop 2026 sechs Lesungen moderieren. Alle sechs Bücher hatte ich sehr gerne gelesen, so unterschiedlich sie auch sind. Entsprechend neugierig war ich auf die Menschen dahinter und auf das, was wir gemeinsam mit dem Publikum entdecken würden.
Andreas Izquierdo ließ in Niemals geht man so ganz seine Figuren mit unterschiedlichen Stimmen lebendig werden. Wie mühelos er zwischen komischen Szenen und ernsten Momenten wechselte! Auch im Gespräch habe ich ihn als sehr nahbar erlebt. Wer Mads Madsen, den Trauerredner und Ermittler aus Glücksburg, noch nicht kennt: Die beiden Krimis lassen sich unabhängig voneinander lesen.
Sehr berührend war der Abend mit Sebastian Becker und Und es wird trotzdem wieder Sommer werden. Sein Buch erzählt vom Tod seines Vaters und vom Weiterleben mit der Trauer. Viele Gäste hatten sich auf ihn gefreut. Ich war dankbar für das Vertrauen, mit dem er sich auf unser Gespräch über dieses persönliche Thema eingelassen hat. Umso mehr bedeutet mir seine Rückmeldung:
„Ich habe mich den ganzen Abend über wohl und wunderbar begleitet gefühlt.“
Bei Eva Lohmann wurde es mit Etwas Leichtes auch sehr lustig. Sie erzählte von ihrem Kaninchen Frederic und gab uns Einblicke in die Zusammenarbeit mit dem Verlag und die Entstehung des Buchcovers. Der Roman beschäftigt sich mit Nähe und Freiheit: Wie viel Gemeinsamkeit wünschen wir uns, und wie viel Eigenständigkeit brauchen wir?
Als bei Alexa Hennig von Langes Lesung aus Alte Pfade dann Frederik auftauchte, musste ich innerlich schmunzeln. Nach Evas Kaninchen hatte ich sofort lange Ohren vor Augen; hier war natürlich der Ex-Mann der Protagonistin gemeint. Schon wieder hatten sich zwei Bücher in meinem Kopf verbunden. In „Alte Pfade“ reisen wir mit einer Tochter und ihrem alten Vater durch die schottischen Highlands. Ihre gemeinsame Geschichte begleitet sie dabei auf Schritt und Tritt.
Im sonnendurchfluteten Charlottenhof sprach ich mit Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns über Frauen und Schlaf. Nach all den Romanfiguren rückten unsere eigenen Nächte in den Mittelpunkt. Auch dieses Sachbuch gehörte für mich ganz selbstverständlich zu diesen Literaturtagen: Bücher können uns helfen, den eigenen Alltag besser zu verstehen.
Zum Abschluss kehrte Rina Schmeller mit ihrem Debütroman Co nach Ahrenshoop zurück, wo sie als Stipendiatin am Künstlerhaus Lukas daran gearbeitet hatte. Sie erzählte von den sieben Jahren, in denen das Buch entstanden ist. Ihre klare Sprache und die Kraft, mit der sie las, haben mich beeindruckt.
„Ich habe jetzt ein eigenes Leben.“
Dieser Satz aus „Co“ benennt, was auf dem Spiel steht: Der Roman erzählt vom Weg einer Frau aus der Co-Abhängigkeit und davon, wie sie sich ihr eigenes Leben zurückerobert. Darüber mit Rina Schmeller und dem Publikum ins Gespräch zu kommen, war mir wichtig.






Es bedeutet mir viel, solche Gespräche führen und meine Begeisterung für Bücher mit einem Publikum teilen zu dürfen. Die Rückmeldungen der Autorinnen und Autoren und des Publikums haben mich sehr berührt. Alexa Hennig von Lange schrieb mir:
„Das hat mir großen Spaß gemacht. Deine Moderation hat eine so passende Rahmung ergeben, mit vielen interessanten, kurzweiligen und informativen Aspekten.“
Solche Worte bestärken mich darin, wie gerne ich diese Begegnungen begleite.
Von Herzen danke ich allen sechs Gästen für ihr Vertrauen, dem Publikum fürs Zuhören und Mitfragen sowie Rico, Lilian und dem Team des Ostseebads Ahrenshoop für die schöne Zusammenarbeit.
Habt ihr schon einmal eine Autorin oder einen Autor bei einer Lesung erlebt und das Buch danach mit anderen Augen gelesen? Erzählt mir gerne davon.
Herzliche Grüße

P.S. Wenn ihr selbst eine Lesung plant: Auf meiner Website erfahrt ihr mehr über meine Arbeit als Moderatorin. Mehr über meine Lesungsmoderation


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