Liebe Literaturcafé-Gäste,
kennt ihr dieses feine, fast magische Phänomen, wenn man innerhalb kurzer Zeit sehr viel liest und die Bücher plötzlich anfangen, im eigenen Kopf miteinander zu sprechen?
Genau das passiert mir in diesen Tagen. Ich stecke mitten in den Lese-Vorbereitungen für die Literaturtage Ahrenshoop. Vom 1. bis 4. Oktober darf ich dort an der Ostsee gleich sieben Moderationen an vier Tagen übernehmen – ein wunderbarer, intensiver Marathon aus Romanen, Sachbüchern und Lyrik. Und während mein Schreibtisch voller Buchstapel liegt, beginnen die Geschichten zwischen den Buchdeckeln, sich gegenseitig Antworten zuzurufen.
Als ich zum Beispiel mitten in Alexa Hennig von Langes neuem Roman „Alte Pfade“ steckte, beobachtete ich die Protagonistin Liliane, wie sie völlig unvorbereitet und in dünnen Leinenschuhen aufbricht, um ihrem 89-jährigen Vater in die schottischen Highlands zu folgen. Und während sie wandert, schlug in meinem Kopf sofort ein anderes Buch auf: Sebastian Beckers zutiefst berührendes Werk „Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“. Er schreibt darin vom plötzlichen Tod seines Vaters, der beim Wandern über eine Wurzel stolperte und sich den Schädel brach. Als Liliane im Roman vor ihrem Aufbruch gefragt wird: „Soll ich deinem Sohn noch etwas ausrichten, falls du nicht wiederkommst?“ und sie nur den Kopf schüttelt, stockte mir der Atem. Oh, dachte ich, wenn dir jetzt passiert, was dem Vater von Sebastian Becker passiert ist! Zum Glück schenkt Alexa ihrer Geschichte ein Happy End und lässt ihre Protagonistin nicht sterben.
Ein paar Buchstapel weiter sprachen zwei ganz andere Werke miteinander: Das Sachbuch „Frauen und Schlaf“ von Dr. Suzann Kirschner-Brouns und Rina Schmellers autofiktionaler Roman „Co“. Die Medizinerin benennt in ihrem Buch wissenschaftliche und gesellschaftliche Gründe, warum Frauen nicht schlafen können – darunter häusliche Gewalt oder das späte Heimkommen des angetrunkenen Partners. Das fühlte sich für mich zunächst weit weg an. Erst als ich parallel bei Rina Schmeller durch ihre Protagonistin im Detail erlebte, was Co-Abhängigkeit bedeutet und was sie durchmacht, bekamen diese wissenschaftlichen Zeilen plötzlich ein Gesicht.
Und dann sind da die wunderbaren Leichtigkeiten, die sich im Kopf verbinden: Wenn Andreas Izquierdo seinen jungen Trauerredner Mads Madsen im beschaulichen Glücksburg an der Ostsee ermitteln lässt, habe ich sofort den Duft von frischem Meereswind und Fischbrötchen in der Nase – was mich wiederum direkt zu Gottfried Haufes schmunzelndem Sachbuch „Die Welt des Fischbrötchens“ führte. Und während Mads Madsen von seiner feinsinnigen Malteserhündin Bobby begleitet wird, begegnet mir bei Eva Lohmann das Kaninchen Frederic – zwei wunderbare Erinnerungen daran, dass das Leben viele ungewöhnliche Wege und Gefährten abseits der Norm bereithält.
Es ist dieser gedankliche Gewinn, diese ungeplanten Brücken zwischen den Texten, die das Lesen für mich so kostbar machen. Wenn aus einzelnen Büchern plötzlich ein großes, lebendiges Gespräch wird.
Ich werde diese Dialoge aus meinem Kopf in der kommenden Woche mit an die Küste nehmen, wenn in Ahrenshoop das Festival beginnt.

📍 Kleine Herzensempfehlung zum Schluss:
Falls jemand von euch Anfang Oktober an der Ostsee ist oder Lust auf ein literarisches Wochenende am Meer hat: Schaut unbedingt mal ins Programm der Literaturtage Ahrenshoop (1.–4. Oktober 2026) rein! Ich freue mich schon riesig darauf, dort an vier Tagen sieben wunderbare Lesungen und Autorenstipvisiten auf der Bühne begleiten zu dürfen. Vielleicht sieht man sich ja vor Ort auf einen Kaffee oder ein Fischbrötchen?
Wie ist das bei euch? Habt ihr auch manchmal Bücher, die in eurem Kopf miteinander ins Gespräch kommen? Welche zwei Geschichten haben sich bei euch zuletzt ungefragt gekreuzt?
Schreibt es mir wie immer zu gerne in die Kommentare – ich setze mich mit meiner Kaffeetasse dazu! ☕✨


