Heute vor 100 Jahren: Ingeborg Bachmann
Meine Buchempfehlung zum Jubiläum
Hallo liebe Bücherfreunde,
heute lohnt sich ein Blick in den Kalender: Vor genau 100 Jahren, am 25. Juni 1926, kam Ingeborg Bachmann zur Welt. Eine Dichterin, die nur 47 Jahre alt wurde (1926-1973), und deren Sätze bis heute nachklingen wie kaum andere.
Und es trifft sich wunderbar: Ausgerechnet heute beginnen in Klagenfurt auch die Lesungen beim 50. Bachmannwettbewerb. Doppeltes Jubiläum, ein Name in aller Munde, höchste Zeit also für meine Empfehlung.
Denn pünktlich zum 100. Geburtstag hat die ausgewiesene Bachmann-Forscherin Andrea Stoll eine Biografie vorgelegt, die mich tief berührt hat: „Zwei Menschen sind in mir” (Piper, 480 Seiten).

Warum diese Biografie?
Das Besondere: Stoll konnte sich auf die neu herausgegebenen Tagebücher und Briefwechsel der Salzburger Werkausgabe stützen: jüngst freigegebene Dokumente, die überraschend neue Verbindungslinien zutage fördern. Zum ersten Mal lassen sich Legende und Wirklichkeit sauber trennen. Stoll räumt auf mit der zarten, überirdischen Lyrikerin, der romantischen Geliebten Paul Celans, dem Opfer Max Frischs, und stellt an ihre Stelle eine widersprüchliche, durchsetzungsstarke, kompromisslose Frau, die sich ihr Leben unter härtesten Bedingungen erschrieben hat.
Der Titel „Zwei Menschen sind in mir” ist ein Zitat Bachmanns selbst und Programm: Er meint die Zerrissenheit einer Frau, die als belesene Kosmopolitin zwischen Wien, ihrer Herzensstadt Rom, Zürich und Berlin lebte u.a., und zugleich eine hochsensible Künstlerin war, die die absolute Einsamkeit zum Schreiben brauchte. Ich bin mit diesem Buch tief in Bachmanns Leben und Werk eingetaucht; es hat mir auch Bachmanns Roman „Malina” nähergebracht. Man entwickelt ein immenses Verständnis für diese poetische Seele, die die Freiheit so sehr zum Atmen brauchte und doch an der Einsamkeit zerbrach. Ihr Leben aber war bedingungslos das Schreiben:
„(…) ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe.”
Andrea Stoll erzählt das alles in einer Sprache, die der Dichterin würdig ist. Das Buch ist ganz nebenbei selbst ein Stück Literatur geworden. Eine unbedingte Leseempfehlung, gerade jetzt.
Meine ausführliche Rezension lest ihr hier: 👉 „Zwei Menschen sind in mir” – die ganze Besprechung
Habt ihr Bachmann schon gelesen oder steht sie noch auf eurer Liste? Erzählt mir gerne davon, ich freue mich über jede Antwort.
Herzlichst, Eure
PS: Zum Schluss noch eine ihrer schönsten Stellen über das Lesen:
„Lesen ist ein Laster, das alle anderen Laster ersetzen kann … Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir.”
- Ingeborg Bachmann, aus dem Roman »Malina« (1971)


